537 Millionen Euro für Apotheken-Dienstleistungen bleiben ungenutzt – Reformen dringend nötig
Moritz Hoffmann537 Millionen Euro für Apotheken-Dienstleistungen bleiben ungenutzt – Reformen dringend nötig
Eine neue Studie zeigt, dass 537 Millionen Euro, die für das deutsche Programm der honorierten pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) vorgesehen waren, ungenutzt bleiben. Trotz der flächendeckenden Teilnahme von Apotheken arbeiten viele dieser Dienstleistungen defizitär. Branchenvertreter fordern nun dringende Reformen, um das langfristige Überleben des Programms zu sichern.
Seit dem Start des pDL-Programms im Jahr 2012 ist die Beteiligung von etwa 100 Apotheken im ersten Jahr auf rund 18.500 bis März 2026 gestiegen – das entspricht etwa 98 Prozent der rund 19.000 Apotheken in Deutschland. Doch trotz der nahezu flächendeckenden Teilnahme bleibt die Nachfrage nach diesen Leistungen gering, sodass ein beträchtlicher Teil der Mittel ungenutzt bleibt.
Die vom Freien Deutschen Apothekerverband (Freie Apothekerschaft) in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass viele pDL-Dienstleistungen ihre Kosten nicht decken. So schreiben beispielsweise mehr als die Hälfte aller Apotheken bei Bluthochdruck-Risikobewertungen Verluste, während nur ein Drittel Gewinne erzielt. Herausforderungen wie Personalmangel, hoher administrativer Aufwand, räumliche Engpässe und Spannungen mit anderen Gesundheitsberufen verschärfen die Situation zusätzlich.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken schlug kürzlich vor, die ungenutzten pDL-Mittel in die allgemeine Apothekenvergütung umzuleiten. Die Studie warnt jedoch vor diesem Ansatz, da er den ursprünglichen Zweck des Programms untergraben würde. Stattdessen setzt sich die Bundesapothekerkammer für eine Anpassung der pDL-Vergütung ein, um nachhaltige Honorare zu gewährleisten und so die bundesweite Bereitstellung dieser Dienstleistungen zu sichern.
Der Freie Deutsche Apothekerverband stimmt dem zu und betont, dass Apotheken zwar über das nötige Fachwissen verfügen, um pDL-Dienstleistungen effektiv anzubieten, die aktuellen Vergütungssätze sie jedoch wirtschaftlich unattraktiv machen. Ohne Änderungen drohe langfristig das Aus für das Programm, warnt die Studie.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine klare Lücke zwischen der Verfügbarkeit von Mitteln und der praktischen Umsetzung. Die Politik steht nun unter Druck, die Vergütungsstrukturen so anzupassen, dass Apotheken pDL-Dienstleistungen ohne Verluste anbieten können. Die nächsten Schritte werden entscheiden, ob das Programm langfristig in ganz Deutschland tragfähig bleibt.