AfD-Pläne fürs Abitur: Warum Sachsen-Anhalts Bildungsreformen bundesweit für Aufruhr sorgen
Moritz HoffmannAfD-Pläne fürs Abitur: Warum Sachsen-Anhalts Bildungsreformen bundesweit für Aufruhr sorgen
In Sachsen-Anhalt ist ein politischer Streit über die Zukunft des Abiturs – des deutschen Hochschulzugangszeugnisses – entbrannt. Die Bildungsvorschläge der AfD, darunter Änderungen der Lehrpläne und Reformen beim Hausunterricht, haben die CDU veranlasst, vor einer möglichen Abwertung des Abschlusszeugnisses zu warnen. Kritiker befürchten, dass eine von der AfD geführte Regierung Schülern Qualifikationen bescheren könnte, die andere Bundesländer nicht anerkennen.
Im Mittelpunkt der Kontroverse steht der Plan der AfD, die Schulcurricula grundlegend zu überarbeiten und die allgemeine Schulpflicht durch eine lockerere „Bildungsverpflichtung“ zu ersetzen. Das Wahlprogramm der Partei sieht weitreichende Bildungsreformen vor: Eltern könnten sich demnach für Hausunterricht statt für den traditionellen Schulbesuch entscheiden. Hausunterrichtete Kinder müssten dennoch alle sechs Monate zentrale Prüfungen ablegen, um ihre Lernfortschritte zu dokumentieren. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund argumentiert, diese Änderungen würden das Abitur wieder zu einem „echten Qualitätsmerkmal und einem herausragenden Abschluss“ machen.
Gegner zeigen sich alarmiert. Der CDU-Politiker Sven Schulze warnte, ein AfD-Wahlsieg könnte zu Schließungen von Schulen in ländlichen Gebieten führen und Dörfer ohne örtliche Klassen zurücklassen. Zudem müssten Schüler möglicherweise damit rechnen, dass ihre Abschlüsse von Universitäten in anderen Bundesländern nicht akzeptiert werden. Ein weiterer CDU-Vertreter, Reiner Haseloff, hatte ähnliche Bedenken geäußert und angedeutet, eine AfD-Regierung könnte das bundesweite Ansehen des Abiturs untergraben.
Die AfD wies die Warnungen zurück. Siegmund warf der CDU „Wählerchüchterung“ vor und behauptete, sie verbreite „Desinformation“ über die Anerkennung der Abschlüsse. Der Bildungsforscher Kai Maaz hingegen stellte klar, dass es derzeit keine rechtliche Grundlage für andere Bundesländer gebe, Abitur-Zeugnisse aus Sachsen-Anhalt abzulehnen. Die Kultusministerkonferenz (KMK) ergänzte, dass mögliche Änderungen der gemeinsamen Standards kollektiv von allen Ländern beraten werden müssten.
Die Debatte entzündet sich vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD auf eine absolute Mehrheit hinarbeitet. Sollte sie erfolgreich sein, könnten ihre Reformen das Bildungssystem der Region grundlegend verändern – bergen jedoch auch das Risiko, dass die Abschlüsse der Schüler bundesweit weniger Anerkennung finden. Das Wahlergebnis wird entscheiden, ob die Bildungspläne der AfD umgesetzt werden. Falls ja, könnten die Reformen zu einer Ausweitung des Hausunterrichts, Schließungen von Landschulen und strengeren Abschlussprüfungen führen. Die KMK hat bereits signalisiert, dass jede Änderung der Standards einer breiteren Einigung unter den Bundesländern bedürfe.






