ARD testet 30-minütige Tagesschau – kann das die Quoten retten?
Die ARD testet ein längeres Tagesschau-Format, um Zuschauer zurückzugewinnen. Der Probebetrieb startet am Montagabend: Die Hauptnachrichtensendung wird um 20:15 Uhr auf 30 Minuten verlängert. Der Sender hofft, mit der Änderung das Vertrauen in die Medien zu stärken und ein breiteres Publikum zu erreichen.
In den vergangenen fünf Jahren sind die Einschaltquoten der klassischen 15-minütigen Tagesschau kontinuierlich gesunken. Lag der Marktanteil 2021 noch zwischen 15 und 18 Prozent, fiel er bis 2026 auf nur noch 10 bis 12 Prozent. Besonders stark war der Rückgang bei den 30- bis 59-Jährigen, wo die Zuschauerzahlen um 25 bis 30 Prozent einbrachen. Viele sind stattdessen zur Tagesschau-App oder zum 24/7-Livestream gewechselt – dort gehört mittlerweile über die Hälfte der digitalen Nutzer dieser Altersgruppe an.
WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn ist überzeugt, dass eine längere Sendedauer die Nachrichten alltagsrelevanter machen könnte. Eine Ausweitung des Formats helfe, globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen, argumentiert er. Kritiker hingegen zweifeln, ob allein die Länge das Problem löst.
Einige Journalisten, wie Anna Mayr von der Zeit, fordern, stattdessen die Qualität zu verbessern – nicht nur die Dauer. Andere befürchten, dass 15 Minuten für Nachrichten ausreichen und ein 30-Minuten-Slot das ARD-Abendprogramm durcheinanderbringen könnte. Der Testlauf ist vorerst nicht dauerhaft, eine endgültige Entscheidung über die Umstellung steht noch aus.
Die verlängerte Tagesschau startet zunächst als Experiment, ohne Garantie auf eine feste Etablierung. Die ARD will damit den Zuschauerverlust umkehren und sich an veränderte Mediennutzungsgewohnheiten anpassen. Ob das gelingt, hängt davon ab, ob das Publikum das längere Format annimmt.






