12 April 2026, 02:07

Ausgebeutet und vergessen: Wie Deutschlands Saisonarbeiter um ihre Rechte kämpfen

Plakat mit zwei Personen vor einem Berg- und Baumhintergrund mit der Aufschrift "Was unser freier Handel bedeutet - britischer Granit Arbeiter - Die Fair-Wage-Klausel ist in Ordnung, aber ich will Arbeit."

Ausgebeutet und vergessen: Wie Deutschlands Saisonarbeiter um ihre Rechte kämpfen

Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft leiden unter verschärften Bedingungen durch neue Gesetze

Saisonarbeitskräfte in Deutschland sehen sich angesichts neuer rechtlicher Regelungen einer zunehmenden Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Eine aktuelle Änderung erlaubt kurzfristige, sozialabgabenfreie Beschäftigungsverhältnisse von bis zu 90 Tagen pro Jahr – doch dies hat zu längeren Arbeitszeiten, niedrigeren Löhnen und prekären Lebensumständen geführt. Untersuchungen zeigen, dass es trotz einhaltungswilliger Arbeitgeber in vielen Betrieben systematische Ausbeutung gibt.

2023 waren rund 243.000 Saisonkräfte in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt. Ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben unklar, doch Berichte belegen weitverbreitete Missstände. Auf 36 Höfen mussten Arbeiter bis zu 70-Stunden-Wochen absolvieren und in heruntergekommenen Unterkünften leben. Zudem wurden illegale Lohnabzüge entdeckt – auf einem Betrieb wurden den Beschäftigten fast 1.000 Euro vorenthalten.

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Die Durchsetzung der Arbeitsgesetze bleibt schwach: 2024 fanden lediglich 274 Kontrollen auf landwirtschaftlichen Betrieben statt. Der gesetzliche Mindestlohn bietet kaum Schutz, wenn die Überwachung so lasch ist. Gleichzeitig fordert der Deutsche Bauernverband eine 20-prozentige Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonarbeiter.

Die Initiative Faire Agrararbeit wird nun aktiv. In Zusammenarbeit mit internationalen Partnern hat sie mehrsprachige Social-Media-Kampagnen gestartet, um angeworbene Arbeitskräfte über ihre Rechte und Unterstützungsangebote zu informieren. Auch der DGB-Gewerkschaftsbund fordert EU-weite Beratungsnetzwerke, um mobilen Arbeitskräften bei grenzüberschreitenden Beschäftigungsfragen zu helfen.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union könnte eine Schlüsselrolle bei der Lösung dieser Probleme spielen. Landwirte, die gegen Arbeits- oder Arbeitsschutzbestimmungen verstoßen, könnten mit Kürzungen ihrer EU-Subventionen rechnen.

Die Ausbeutung von Saisonarbeitern in Deutschland bleibt ein strukturelles Problem – trotz einzelner Betriebe, die sich an die Vorschriften halten. Angesichts schwacher Kontrollen und wachsender Forderungen nach Lohnabschlägen setzen sich Befürworter zunehmend für EU-Politik und grenzüberschreitende Unterstützungsnetzwerke ein. Das Problem besteht fort, doch der Druck für Veränderungen wächst.

Quelle