EU lockert Gentechnik-Regeln: Was das für Verbraucher und Bauern bedeutet

Minister hält GMO-Entscheidung der EU für falsch - EU lockert Gentechnik-Regeln: Was das für Verbraucher und Bauern bedeutet
Die EU hat sich auf eine Lockerung der Vorschriften für gentechnisch veränderte Lebensmittel geeinigt, wodurch kleinere genetische Veränderungen künftig ohne Sondergenehmigungen und Kennzeichnungspflicht auf den Markt kommen können. Unterhändler des Europäischen Parlaments und aller 27 Mitgliedstaaten besiegelten das Abkommen Anfang Dezember nach monatelangen Verhandlungen. Die Neuregelungen stoßen jedoch auf scharfe Kritik, unter anderem von Niedersachsens Agrarministerin Miriam Staudte.
Die neuen Bestimmungen entstanden im Rahmen eines Trilog-Verfahrens zwischen EU-Kommission, Parlament und Rat, das im Mai 2025 eingeleitet worden war. Nach sieben Monaten Beratungen einigte man sich am 4. Dezember. Künftig müssen nur noch Lebensmittel mit umfangreichen genetischen Veränderungen gekennzeichnet werden, während geringfügige Anpassungen ohne Deklaration in den Handel gelangen dürfen.
Befürworter argumentieren, die Reform werde die Züchtung neuer Sorten beschleunigen und den Pestizideinsatz verringern. Staudte hingegen weist diese Begründungen als unhaltbar zurück. Sie warnt, dass der Verzicht auf Kennzeichnung Verbrauchern die Möglichkeit nehme, gentechnisch veränderte Produkte bewusst zu meiden. Zudem schwäche die Entscheidung ihrer Ansicht nach das in Europa seit langem geltende Vorsorgeprinzip, das die Lebensmittelsicherheit prägt. Als Risiken nennt sie etwa Kreuzkontaminationen im Freilandanbau, deren langfristige Folgen oft erst spät erkennbar seien. Ein weiteres Problem sieht sie in der möglichen Verringerung der Sortenvielfalt und einer verstärkten Marktkonzentration bei Saatgutherstellern.
Die überarbeiteten Regeln stehen nun vor der endgültigen Verabschiedung. Sollten sie in Kraft treten, werden sie die Regulierung und Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel in der gesamten EU neu gestalten. Die Einigung markiert einen Kurswechsel in der Agrarpolitik, während Kritiker wie Staudte strengere Kontrollen fordern, um Verbraucherfreiheit und biologische Vielfalt zu schützen.