12 June 2026, 18:03

Fußball-WM entfacht deutschen Patriotismus – doch was bleibt danach?

Lieber "Party-Patriotismus" als kein Patriotismus

Fußball-WM entfacht deutschen Patriotismus – doch was bleibt danach?

Alle vier Jahre entfacht die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland eine Welle nationalen Stolzes. Viele Bürger, darunter auch Familien, zeigen Flaggen und Symbole offen, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Dieser plötzliche Patriotismus fällt besonders auf in einem Land, in dem offene Bekundungen nationaler Identität sonst eher selten sind.

Ein kürzlich auf Arte ausgestrahlter Dokumentarfilm untersuchte den Zusammenhang zwischen Fußball-Patriotismus und politischen Verschiebungen. Regisseur Juri Sternburg argumentierte, dass der „positive Party-Patriotismus“, der während der WM 2006 zu beobachten war, dazu beitrug, das Zeigen von Flaggen und nationalistischen Symbolen zu normalisieren. Der Film deutete zudem an, dass dieser kulturelle Moment indirekt den Aufstieg von Bewegungen wie Pegida und der AfD begünstigt haben könnte.

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Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ein gespaltenes Verhältnis zu offen zur Schau gestelltem Patriotismus. In ihren Reden mied sie Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. 2013, am Wahlabend, nahm sie einem Anhänger, Hermann Gröhe, sogar eine deutsche Flagge ab, die dieser in ihrer Gegenwart geschwenkt hatte.

Trotzdem nutzen viele Deutsche den Fußball weiterhin als seltene Gelegenheit, nationalen Stolz zu feiern. Manche Familien, wie eine im Film porträtierte, schmücken ihre Autos vor großen Turnieren mit Deutschlandflaggen. Andere zeigen nur oberflächliches Interesse und schalten lediglich dann ein, wenn die Nationalmannschaft bei einer WM spielt.

Der Dokumentarfilm zeigt, wie Fußball nationale Identität und politische Debatten prägen kann. Für manche bietet die WM ein kurzes Zeitfenster, um Patriotismus ungehindert auszuleben. Doch die grundsätzliche Zurückhaltung der deutschen Gesellschaft gegenüber nationalem Stolz bleibt ein prägendes Merkmal.

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