Halle protestiert: Menschen mit Behinderungen fordern endlich gleiche Rechte und Barrierefreiheit
Moritz HoffmannHalle protestiert: Menschen mit Behinderungen fordern endlich gleiche Rechte und Barrierefreiheit
Rund 150 Demonstranten gingen am 5. Mai in Halle (Saale) auf die Straße, um gleiche Rechte für Menschen mit Behinderungen zu fordern. Der Marsch fiel mit dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen zusammen und lenkte die Aufmerksamkeit auf anhaltende Barrieren im Alltag und im öffentlichen Nahverkehr.
Die Kundgebung startete am Steintor, führte über den Hansering bis zum Leipziger Turm und endete an der Ulrichskirche, wo sich die Teilnehmer auf dem Marktplatz zu Reden versammelten. Viele wiesen auf strukturelle Diskriminierung hin – eine Rednerin betonte, dass Menschen mit Behinderungen in der gesellschaftlichen Prioritätenliste ganz unten stünden.
Ein Rollstuhlfahrer berichtete von anhaltenden Problemen bei barrierefreien Straßenbahn-Haltestellen, insbesondere an der Fiete-Schulze-Straße. Rampen seien oft nicht bündig mit dem Gehweg, wodurch gefährliche Lücken entstünden – besonders bei schlechtem Wetter. Ein weiterer Demonstrant kritisierte überfüllte Züge und das Fehlen klarer Hinweise, welche Wagen bereits voll besetzt seien.
Auch die digitale Barrierefreiheit stand in der Kritik: Protestierende verwiesen auf fehlende Anzeigetafeln an wichtigen Knotenpunkten wie der Soltauer Straße und dem S-Bahnhof Neustadt. Annette Meltzer, selbst Rollstuhlfahrerin, sprach über tägliche Hindernisse und betonte, dass Veränderungen allen zugutekommen müssten – nicht nur Einzelnen. Eine zentrale Forderung war die politische Selbstvertretung, mit dem Appell, Entscheidungen nicht länger ohne die Betroffenen zu treffen.
Die Demonstration unterstrich langjährige Mängel im öffentlichen Verkehr und in der Stadtplanung. Die Organisatoren forderten umgehende Verbesserungen – von sichereren Straßenbahn-Zugängen bis hin zu besserer digitaler Information. Die Veranstaltung machte deutlich, wie dringend eine stärkere Einbindung in politische Entscheidungsprozesse ist.






