02 May 2026, 08:04

Klassenkampf auf dem Wasser: Wie Berlins Segler im 19. Jahrhundert gespalten waren

Schwarzes und weißes Foto von Segelbooten auf dem Wasser mit Hügeln im Hintergrund und einem klaren Himmel, als Foto des New York Yacht Club bezeichnet.

Klassenkampf auf dem Wasser: Wie Berlins Segler im 19. Jahrhundert gespalten waren

Segeln im Berlin des 19. Jahrhunderts war streng nach Klassen getrennt

Während im Westen der Stadt wohlhabende bürgerliche Vereine florierten, schlossen sich Arbeitersegler im Osten in eigenen Gruppen zusammen. Die Kluft war so tief, dass der Deutsche Segler-Verband (DSV) später sogar forderte, Arbeitermitglieder aus einem renommierten Club auszuschließen.

Die Spaltung begann früh: 1837 gründete sich die Berliner Tavernengesellschaft am Rummelsburger See in Stralau – ein Zusammenschluss von Yachtbesitzern aus Berlins Intelligenzija, Kaufleuten und wohlhabendem Bürgertum. Selbst der Philosoph Karl Marx besuchte den Club in jenem Jahr. Die erste Berliner Segelregatta im Juni 1868 festigte zudem den Ruf des Sports als elitäre Domäne.

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Ab den 1880er-Jahren bildeten Arbeiter eigene Segelvereine. Ihr Ziel: das „volkstümliche Kleinbootsegeln“ als bezahlbare Alternative zu den „Herrenportarten“ Rudern und Yachtsport zu fördern. 1883 entstand der Freie Bund der Segelfreunde – später umbenannt in Verein Berliner Segler (VBS) –, der sich mit der Zeit fast ausschließlich zu einem Club der Arbeiter und Handwerker entwickelte.

Die Klassenspaltung beschränkte sich nicht auf die Vereinszugehörigkeit. Der Westen Berlins blieb das Zentrum für „Wassersportbegeisterte der Hochbourgeoisie“, während im Osten Vereine aufkamen, die Arbeitern „Segeln zum kleinen Preis“ ermöglichten. Die Spannungen eskalierten, als der DSV den VBS nur unter der Bedingung aufnehmen wollte, dass sich seine Arbeitermitglieder zurückzogen. Die sogenannte „Amateurklausel“ vertiefte die Gräben weiter: Bürgerliche Sportler konnten sich so sowohl von Profis als auch von Arbeitersportlern abgrenzen.

Die Teilung der Berliner Segelszene spiegelte die gesellschaftlichen Gegensätze wider. Ausgeschlossen von elitären Organisationen, bauten Arbeitersegler eigene Strukturen auf. 1891 stand der VBS exemplarisch dafür, wie Sport Klassengrenzen entweder zementieren – oder infrage stellen konnte.

Quelle