29 April 2026, 04:14

Mammutaufführungen: Warum deutsches Theater auf epische Längen setzt

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" mit sichtbarem Text und einem Logo auf der Seite.

Mammutaufführungen: Warum deutsches Theater auf epische Längen setzt

Deutsches Theater und die Tradition der Mammutaufführungen

Das deutsche Theater ist seit langem für seine marathonglangen Aufführungen bekannt. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen, einem der renommiertesten Festivals des Landes, wird dieser Trend erneut deutlich: Gezeigt werden Inszenierungen, die sich über viele Stunden erstrecken. So bringen die Münchner KammerspieleWallenstein: Ein Festspiel des Krieges in sieben Gängen auf die Bühne – ein siebenstündiges Epos, das Schauspieler wie Publikum gleichermaßen fordert.

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Die Tradition extrem langer Stücke im deutschsprachigen Theater reicht Jahrzehnte zurück. Bereits 1976 feierte Robert Wilsons Einstein on the Beach mit einer Spieldauer von vier bis fünf Stunden Premiere. 1999 setzte Luk Perceval mit Schlachten beim Salzburger Festspiele noch einen drauf: Die Inszenierung dauerte volle zwölf Stunden.

Auch in jüngerer Zeit hält der Trend an. 2023 zeigte das Schauspielhaus BochumDie Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung. Die Berliner Volksbühne bringt nun Peer Gynt zurück auf die Bühne – allein der erste Teil der Inszenierung dauerte bei der Uraufführung acht Stunden. Nora Hertlein-Hull, die Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte eine solche Mammutaufführung erstmals 2007 beim Wiener Festwochen.

Den Aufstieg der besonders langen Stücke begünstigte vor allem das Aufkommen des Regietheaters in den 1970er- und 1980er-Jahren. Während und kurz nach der Pandemie setzten viele Häuser jedoch auf kürzere, pausenlose Stücke. Der Deutsche Bühnenverein erfasst keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, sodass das genaue Ausmaß dieser Tradition schwer zu beziffern ist.

Beim diesjährigen Theatertreffen sind erneut einige der längsten Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen. Zwar führten die Pandemie-Beschränkungen zeitweise zu kürzeren Aufführungen, doch die Tradition des epischen Theaters lebt weiter. Das Publikum bleibt bereit, sich auf Inszenierungen einzulassen, die Zeit, Geduld und volle Aufmerksamkeit verlangen.

Quelle