Marode Hochhäuser in Göttingen: Wenn die eigene Wohnung zur Gefahr wird

Gericht lehnt Mieterantrag in Göttinger Hochhaus ab - Marode Hochhäuser in Göttingen: Wenn die eigene Wohnung zur Gefahr wird
Bewohner eines Hochhauskomplexes nahe dem Göttinger Hauptbahnhof leben unter prekären Bedingungen – undichte Heizungen, bauliche Mängel und Schädlingsbefall prägen ihren Alltag. Im Gebäude an der Groner Landstraße 9, in dem rund 700 Menschen wohnungn, viele von ihnen Leistungsempfänger der Sozialhilfe, ist die Situation besonders dramatisch.
Eine Mieterin, alleinerziehende Mutter von vier Kindern, teilt sich mit ihrer Familie eine beengte Zweizimmerwohnung im fünften Stock. Trotz des desolaten Zustands der wohnung entschied ein Gericht, dass sie für die kommenden Wochen zumindest die Mindestanforderungen an "Bett, Brot und Seife" erfülle. Ein anderer Mieter hatte versucht, seine wohnung für unbewohnbar erklären zu lassen, in der Hoffnung, eine Notunterkunft oder Obdachlosenhilfe zu erhalten.
Die Stadtverwaltung kontrolliert das Hochhaus regelmäßig wegen der misslichen Verhältnisse. Die Hausverwaltung gibt wiederholt an, dass ausstehende Mietzahlungen die Mittel für Reparaturen blockierten – eine Darstellung, die sowohl die Stadt als auch Anwälte der Mieter bestreiten. Die Mietschulden haben sich in den vergangenen zwei Jahren auf über 850.000 Euro summiert; 145 von 161 Mietparteien sind mit ihren Zahlungen im Rückstand. Das Gebäude mit mehr als 400 Wohneinheiten steht bereits seit Längerem wegen der schlechten Wohnbedingungen in der Kritik.
Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts lässt die Mieter in einer ausweglosen Lage zurück, ohne dass sich kurzfristig eine Lösung abzeichnet. Die Behörden behalten den Komplex weiterhin im Blick, während die Anwälte der Bewohner die Angaben der Hausverwaltung zu den Reparaturkosten anfechten. Die Zukunft der Bewohner der Groner Landstraße 9 bleibt ungewiss.