MSG: Vom Industrieruin zur größten Schienenfahrzeug-Lackiererei Deutschlands
Leon SchulzMSG: Vom Industrieruin zur größten Schienenfahrzeug-Lackiererei Deutschlands
Maschinenbau und Service GmbH (MSG) hat sich trotz großer Herausforderungen zu einem wichtigen Akteur in der deutschen Schienenfahrzeugbranche entwickelt. Das Unternehmen, das einst auf dem Gelände der ehemaligen Waggonbau Ammendorf – einer einstigen Ruine der Bahnindustrie – gegründet wurde, ist heute die größte Lackiererei für Schienenfahrzeuge des Landes. Aktuelle Gespräche mit Politikern unterstreichen sowohl den Erfolg als auch die anstehenden Hürden.
MSG startete seine Aktivitäten auf dem historischen Gelände des Waggonbaus Ammendorf, wo einst Eisenbahnwaggons für Kunden in ganz Europa produziert wurden. Seit 2005 hat sich das Unternehmen zu einem spezialisierten Dienstleister entwickelt, beschäftigt heute 239 Mitarbeiter und erzielte 2021 einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro. Die Auftragsbücher sind für die nächsten vier Jahre gut gefüllt – ein Zeichen für die starke Nachfrage in der Branche.
Aktuell lackiert MSG neue Züge des Typs Mireo für das S-Bahn-Netz in Mitteldeutschland und betreibt damit die größte Schienenfahrzeug-Lackiererei Deutschlands. Doch das Leistungsspektrum reicht weiter: Das Unternehmen wartet Züge für Niedersachsen und Bremen und unterstützt zudem das Advanced Train Lab – den Testzug für autonomes Fahren im ICE-Verkehr.
Trotz des Wachstums sieht sich MSG mit steigenden Energiekosten, Fachkräftemangel und bürokratischen Hürden konfrontiert. Geschäftsführer Thomas Tautz hat diese Probleme in Gesprächen mit führenden Politikern thematisiert, darunter Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche und Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze. Als Reaktion versprachen die Verantwortlichen, sich in Berlin für weniger Bürokratie einzusetzen.
Um die Betriebskapazitäten zu stärken, investiert MSG 1,4 Millionen Euro in eine neue Strahlanlage. Diese soll ab März 2023 bis zu 200 Fahrzeuge pro Jahr bearbeiten können. Das Unternehmen bleibt damit Marktführer unter den mittelständischen Betrieben seiner Branche.
MSG baut seine Rolle in der Instandhaltung und Innovation von Schienenfahrzeugen weiter aus – trotz wirtschaftlicher und regulatorischer Belastungen. Die neue Strahlanlage wird die Kapazitäten erhöhen, während politische Initiativen langfristige Herausforderungen mildern sollen. Mit vollen Auftragsbüchern und einer starken Marktposition ist das Unternehmen gut aufgestellt, um auch in den kommenden Jahren weiterzuwachsen.
Von 1823 bis 2006: Die historischen Wurzeln von MSG's Schienen-Erbe
Der Standort, an dem MSG jetzt tätig ist, hat eine 200-jährige industrielle Tradition. Wichtige Meilensteine sind:
- 1823: Gottfried Lindner AG als Sattler- und Kutsche-Workshop in Halle gegründet.
- 1952: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde VEB Waggonbau Ammendorf gegründet, das zeitweise 4.900 Mitarbeiter beschäftigte.
- 2005: Bombardier schloss den Standort, was 2006 zur Neugründung durch Roland Schimek mit nur 30 Mitarbeitern führte.
- 2021: MSG beschäftigt 239 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von €30Mio., während das Schienen-Erbe des Standorts gewahrt bleibt.