Paderborns Erzbistum deckt jahrzehntelangen Missbrauchsskandal und Vertuschung auf
Jonas SchulteStudie beleuchtet sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Paderborns Erzbistum deckt jahrzehntelangen Missbrauchsskandal und Vertuschung auf
Eine neue unabhängige Studie hat schwere Versäumnisse im Erzbistum Paderborn aufgedeckt, einem der sieben zentralen katholischen Erzbistümer Deutschlands. Der Bericht zeigt, dass Kardinäle über Jahre hinweg Täter geschützt haben, während sie Opfer sexueller Gewalt an Minderjährigen vernachlässigten. Die Untersuchung umfasst einen Zeitraum von über acht Jahrzehnten – von 1941 bis 2022 – und konzentriert sich auf die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt.
Das Erzbistum Paderborn betreut 1,3 Millionen Katholiken in Nordrhein-Westfalen, von Minden im Norden bis Siegen im Süden und von Herne im Westen bis Höxter im Osten. Dazu gehören auch Teile des Landkreises Waldeck-Frankenberg in Hessen sowie die Stadt Bad Pyrmont in Niedersachsen. Als eines der bedeutendsten Erzbistümer übt Paderborn großen Einfluss innerhalb der deutschen katholischen Kirche aus.
Die Veröffentlichung der Studie war ursprünglich für einen früheren Zeitpunkt geplant, verzögerte sich jedoch bis 2026. Die Forscher begründeten dies mit der COVID-19-Pandemie und der unerwartet großen Menge an Quellenmaterial. Eine zweite Phase der Untersuchung wird sich nun mit der Amtszeit des Alt-Erzbischhofs Hans-Josef Becker befassen, der das Erzbistum von 2002 bis 2022 leitete.
Unterdessen gerieten auch andere deutsche Bistümer in die Kritik. Ende 2025 räumte das Bistum Würzburg ein, dass in einem Fall, der einen verstorbenen Priester betraf, der zwei Mädchen missbraucht haben soll, kirchenrechtliche Verfahren nicht vollständig eingehalten wurden. Der heutige Bischof Franz Jung kritisierte öffentlich seinen Vorgänger, Bischof Hofmann, wegen mangelnder Rechenschaftspflicht. Unter dem Druck von Kirchenvertretern und betroffenen Gemeinden verzichtete Hofmann später auf seinen Ehrentitel.
Die Ergebnisse verdeutlichen systemische Versäumnisse bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Paderborn. Weitere Untersuchungen werden nun das Handeln von Erzbischof Becker während seiner zwei Jahrzehnte im Amt bewerten. Der Bericht unterstreicht die wachsenden Forderungen nach mehr Transparenz und Verantwortung in der deutschen katholischen Kirche.