Platonische Küsse unter Freunden: Warum sie heute normal sind
Ein einfacher Kuss auf die Wange – oder sogar auf die Lippen – unter Freunden sorgt längst nicht mehr für Aufsehen. In den vergangenen fünf Jahren hat die gesellschaftliche Akzeptanz platonischer Zuneigung zugenommen, angetrieben durch Promi-Momente, Fernsehserien und Trends in den sozialen Medien. Nun setzen sich auch prominente Persönlichkeiten wie Scarlett Johansson und Jonathan Bailey offen für diesen Wandel ein und lösen damit Diskussionen über Freundschaft und emotionalen Ausdruck aus.
Das jüngste Beispiel gab es bei der Premiere von Jurassic World: Rebirth, als Johansson und Bailey sich auf dem roten Teppich küssten. Die Geste zog Aufmerksamkeit auf sich, doch Bailey verteidigte sie als natürliche Zuneigungsbekundung: "Ich glaube daran, Liebe auf vielfältige Weise zeigen zu können", erklärte er. Johannssons Ehemann, Colin Jost, dämpfte später alle Spekulationen mit einem Scherz: "Die Leute machen viel zu viel Aufhebens davon, wenn jemand seinen Freund zur Begrüßung küsst." Er fügte hinzu, dass er Bailey nicht als "Bedrohung" empfindet – schließlich lebe dieser offen homosexuell.
Kein Einzelfall: In den letzten Jahren haben auch Stars wie Hannah Waddingham, Gigi Hadid und Madonna ihre besten Freunde öffentlich geküsst, oft ohne Kontroverse. Cat Deeley küsste ihre Freundin Charlie Brear sogar spielerisch auf den Mund, als sie ihr zum Geburtstag gratulierte, und nannte es ein "Mädchenfreundschafts"-Ritual. Die Kommunikationswissenschaftlerin Judi James betont, dass solche Gesten nichts mit Sexualität zu tun haben. Stattdessen handele es sich um urtümliche soziale Bindung – ähnlich wie bei Primaten, die Berührungen nutzen, um Vertrauen und Sicherheit zu stärken.
Der Trend hat seit 2021 an Fahrt aufgenommen, befeuert durch virale Momente wie Billie Eilish, die 2022 Freunde küsste, oder K-Pop-Stars, die in Fan-Videos zärtliche Gesten austauschten. Serien wie Euphoria und Heartstopper haben platonische Nähe normalisiert, während TikTok- und Instagram-Trends "Freundschaftszuneigung" als positives, vorurteilsfreies Verhalten propagieren. Die Entwicklung spiegelt einen größeren kulturellen Wandel wider: Die Gesellschaft nach der Pandemie sehnt sich nach offenerem emotionalem Ausdruck.
Was einst als ungewöhnlich galt, wird heute weitgehend akzeptiert – Prominente wie die breite Öffentlichkeit behandeln platonische Küsse als selbstverständlichen Teil von Freundschaft. Der Wandel steht für tiefgreifendere kulturelle Strömungen hin zu mehr emotionaler Offenheit und Verbundenheit. Für viele sind solche Gesten längst keine Debatte mehr wert – sie sind schlicht eine Art, Zuneigung zu zeigen.






