Riester-Rente 2.0: Reform soll sinkende Teilnehmerzahlen stoppen – doch Gebühren bleiben umstritten
Leon SchulzGünstigere Rente gefordert: 100.000 Menschen unterzeichnen Petition - Riester-Rente 2.0: Reform soll sinkende Teilnehmerzahlen stoppen – doch Gebühren bleiben umstritten
Deutschland plant Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge nach jahrelangem Rückgang der Teilnehmerzahlen
Das bestehende Riester-Renten-System, 2001 eingeführt, hat aufgrund hoher Gebühren, geringer Renditen und starrer Regeln stark an Beliebtheit verloren. Nun soll eine Reform den Prozess vereinfachen und mehr Sparer gewinnen – doch die Debatte über Gebührenobergrenzen bleibt umstritten.
Die Zahl der aktiven Riester-Verträge ist bis 2024 auf unter 15 Millionen gesunken. Jeder vierte geförderte Vertrag wurde gekündigt, und viele der verbleibenden Konten werden nicht mehr bespart. Das Bundesfinanzministerium führt den Rückgang auf überhöhte Kosten, inflationsbereinigt schlechte Erträge und unflexible Auszahlungsbedingungen zurück.
Das als Riester 2.0 bezeichnete Reformpaket soll 2027 starten. Zu den wichtigsten Änderungen gehören höhere Zuschüsse, flexiblere Entnahmemöglichkeiten und ein neues Altersvorsorgedepot, das die Anlageperformance verbessern soll. Der Gesetzentwurf sieht zudem ein Standardprodukt mit einer Gebührenobergrenze von 1,5 Prozent pro Jahr vor. Doch genau dieser Grenzwert stößt auf Kritik.
Eine Umfrage der Finanztip Stiftung zeigt, dass 78 Prozent der potenziellen Nutzer niedrige Gebühren als wichtig oder sehr wichtig für ihre Teilnahme bewerten. Nur 23 Prozent halten die vorgeschlagene Obergrenze von 1,5 Prozent für akzeptabel. Stattdessen befürworten 30 Prozent eine strengere Begrenzung auf 0,5 Prozent, während weitere 28 Prozent maximal 1 Prozent tolerieren würden.
Berechnungen von Finanztip verdeutlichen die langfristigen Folgen der Gebühren: Bei einer Laufzeit von 40 Jahren könnte eine Belastung von 0,5 Prozent zu einem Sparguthaben von 338.000 Euro führen – im Vergleich zu nur 263.000 Euro bei 1,5 Prozent Kosten. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, kritisiert, dass der aktuelle Vorschlag weiterhin überhöhte Gebühren zulasse. Über 100.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, die die Forderung der Stiftung nach einer 0,5-Prozent-Grenze unterstützt.
Die Reform zielt darauf ab, das Interesse an der staatlich geförderten Altersvorsorge durch die Behebung früherer Mängel neu zu beleben. Doch die Gebührenstruktur bleibt ein Streitpunkt, bei dem viele Sparer und Verbraucherschützer auf strengere Vorgaben drängen. Die finale Gesetzgebung wird zeigen, ob das neue System bezahlbare Konditionen mit nachhaltigem Wachstum vereinen kann.