Warum Hindenburgs Flaggenverordnung 1926 die Weimarer Republik weiter spaltete
Leon SchulzWarum Hindenburgs Flaggenverordnung 1926 die Weimarer Republik weiter spaltete
Der Flaggenstreit der Weimarer Republik flammte 1926 erneut auf. Eine neue Verordnung, erlassen von Reichspräsident Paul von Hindenburg, sollte den Streit um die nationalen Symbole beilegen. Doch der Vorstoß vertiefte nur die Gräben zwischen links und rechts.
Die Wurzeln des Konflikts lagen in der Revolution von 1918/19, als Schwarz-Rot-Gold zu den Farben der Republik wurden. Die Rechte jedoch hielt an der alten kaiserlichen Flagge – Schwarz-Weiß-Rot mit dem Reichswappen – fest. Ein Kompromiss von 1921 erlaubte beide Varianten: die Trikolore für das Inland und die Handelsflagge für Botschaften außerhalb Europas. Doch die Spannungen blieben bestehen.
Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 war die Spaltung offen sichtbar. Links und Mitte bildeten einen „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“, während Konservative und Nationalisten als „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“ antraten. Selbst die Kommunisten, einst uneinig, unterstützten nun die Trikolore – ein Zeichen dafür, wie tief die Fronten mittlerweile verliefen.
Hindenburgs Wahlsieg 1925 bestärkte die Rechte. Sie drängte noch stärker auf ihre Flagge, besonders nach dem gescheiterten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Reichskanzler Hans Luther geriet unter Druck von beiden Seiten, und sein Lösungsversuch – die Zweite Flaggenverordnung – überzeugte niemanden. Erlassen am 5. Mai 1926, schrieb sie vor, dass diplomatische Vertretungen beide Flaggen zeigen mussten, doch keine Seite akzeptierte dies als echten Ausgleich.
Der Reichskunstwart Edwin Redslob erhielt den Auftrag, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen. Sein Vorschlag – ein rot-gelbes Feld mit einem schwarzen Balkenkreuz – fand jedoch keine Zustimmung. Hindenburg forderte daraufhin eine verfassungsrechtliche Lösung, doch die Gräben blieben unüberbrückbar.
Die Verordnung milderte den Konflikt kaum. Botschaften hissten weiterhin beide Flaggen, während der politische Machtkampf um die nationale Identität ungebremst weiterging. Kein Kompromiss konnte die Kluft überbrücken zwischen den Anhängern der Republik und jenen, die dem alten Kaiserreich nachtrauerten.






