AfD zerrissen: Trump-Sieg entfacht Machtkampf um Außenpolitik und Russland-Kurs
Lea KrauseAfD zerrissen: Trump-Sieg entfacht Machtkampf um Außenpolitik und Russland-Kurs
Ein erbitterter Streit über die Außenpolitik spaltet die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD). Die Partei, einst für ihre antiamerikanische Haltung bekannt, ist seit der Wiederwahl Donald Trumps am 5. November 2024 tief zerrissen. Während einige Mitglieder eine engere Anbindung an die USA fordern, verlangen andere den Abzug der US-Truppen aus Deutschland.
Der Konflikt hat die Gräben zwischen den westlich orientierten und den russlandfreundlichen Flügeln der Partei offenbart – mit Vorwürfen innerparteilicher Säuberungen und dem Vorwurf, die Führung habe auf umstrittene Vorschläge nicht angemessen reagiert.
Der Tonwechsel der AfD begann nach Trumps Sieg, als Teile der Partei seine Bewegung unterstützten. Die Bundestagsfraktion begrüßte US-amerikanische Vernetzungsbemühungen und lobte das vermeintliche "Ende des Woke-Wahns" in Amerika. Doch nicht alle Mitglieder teilten diese Haltung.
Rüdiger Lucassen, der verteidigungspolitische Sprecher der AfD, gerät wegen seiner westlichen Ausrichtung zunehmend unter Druck. Er bezeichnete Russland als größte Bedrohung für die NATO – eine Aussage, die den russlandnahen Flügel um Björn Höcke verärgert hat. Lucassen wirft Höckes Anhängern vor, ihn aus seinem Amt drängen zu wollen. Gleichzeitig verfasste Hannes Gnauck, ein weiterer Verteidigungsexperte der Partei, während des Iran-Konflikts eine proamerikanische Pressemitteilung – doch die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla blockierten deren Veröffentlichung.
Die Spaltung vertiefte sich, als Chrupalla den Abzug der US-Truppen aus Deutschland forderte. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah widersprach öffentlich und betonte, Deutschland brauche "starke Partner". Insider warnen nun vor einer möglichen Parteispaltung in dieser Frage.
Hinzu kommt die jüngste Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach Martin Sellners "Remigrations"-Pläne – die selbst deutsche Staatsbürger treffen könnten – verfassungswidrig seien und die Menschenwürde verletzten. Die AfD-Führung distanzierte sich jedoch nicht von Sellners Vorstoß. Krah argumentierte später, die radikalen Positionen der Partei hätten die politische Isolation, die ihr von anderen Parteien auferlegt werde, noch verstärkt.
Die AfD steckt weiterhin in inneren Konflikten fest, während die Parteiführung versucht, die Folgen einzudämmen. Die außenpolitischen Differenzen haben sich zugespitzt und die proamerikanischen Kräfte gegen die Befürworter einer Annäherung an Russland aufgestellt. Gleichzeitig haben gerichtliche Urteile gegen radikale Vorschläge der Partei ihre Position weiter geschwächt.
Wie diese Auseinandersetzungen ausgehen, könnte die Zukunft der AfD neu prägen – oder ihre Zersplitterung beschleunigen.






