Caren Jess' Bookpink New Arrivals entfesselt Machtkritik am Deutschen Theater Berlin
Jonas SchulteCaren Jess' Bookpink New Arrivals entfesselt Machtkritik am Deutschen Theater Berlin
Caren Jess' neues Stück Bookpink New Arrivals feiert Premiere am Deutschen Theater Berlin
Unter der Regie von Jorinde Dröse hat Caren Jess' aktuelles Werk Bookpink New Arrivals am Berliner Deutschen Theater Premiere gefeiert. Die Produktion knüpft an den Erfolg von Die Katze Eleonore an, das im vergangenen Jahr in Dresden mit renommierten Preisen ausgezeichnet wurde. Diesmal lotet Jess in drei eindringlichen Szenen die Themen Macht, Anpassung und Gewalt aus.
Das Stück beginnt mit einer Debatte der Familie Adler über Nationalismus und rassistische Mythen. Ihre Gespräche entlarven die Gefahren von Biologismus und Sozialdarwinismus und setzen damit den Ton für die Kritik an systemischer Unterdrückung, die die Inszenierung prägt.
Im zweiten Akt rückt eine Kolibri-Influencerin in den Mittelpunkt. Nach einem gescheiterten Sterilisationseingriff erleidet die Figur eine Hirnschädigung – ein drastisches Bild für strukturelle Gewalt und körperliche Selbstbestimmung. Die Szene steht in scharfem Kontrast zu Jess' früherem Werk Die Katze Eleonore, in dem sich eine Frau dem menschlichen Druck durch die Verwandlung in eine Katze entzieht.
Die letzte Szene vertieft das Motiv des Anpassungsdrucks, diesmal durch Tiere, die in Käfigen gefangen oder der Kontrolle des Menschen unterworfen sind. Anders als in Die Katze Eleonore erleben diese Kreaturen kein Entkommen, sondern Leid. Die mutige, popartige Ästhetik der Produktion – gestaltet von Kathrin Frosch – verleiht den düsteren Themen eine expressive Lebendigkeit.
Inspiriert wurde Jess von ihrer Großmutter Erdmuth, die Vögel an ihren Rufen erkennen konnte. Diese persönlichen Erinnerungen fließen in die übergreifende Auseinandersetzung des Stücks mit Kapitalismus, Kolonialismus und den Mythen von Stärke und Rasse ein.
Bookpink New Arrivals ist ein weiterer kühner Schritt für Jess, der scharfe Gesellschaftskritik mit eindrucksvollen Bildern verbindet. Die drei Szenen fordern das Publikum heraus, sich mit Macht und Überleben auseinanderzusetzen. Nach der Berliner Premiere dürfte die Inszenierung mit ihrer drängenden, schonungslosen Botschaft für weitere Diskussionen sorgen.






