Dresdner Obergraben-Presse: Künstlerische Freiheit im Schatten der DDR
Leon SchulzDresdner Obergraben-Presse: Künstlerische Freiheit im Schatten der DDR
1978 entstand in Dresden, unter den restriktiven Bedingungen der staatlich gelenkten Kultur der DDR, ein einzigartiges Künstlerkollektiv. Die Dresdner Obergraben-Presse nahm ihren Anfang in einer geräumten Dreizimmerwohnung und verband Druckgrafik, Verlagswesen und Ausstellungen. Ihre Gründer – die Künstler Eberhard Göschel, Peter Herrmann und andere – schufen sich hier einen Freiraum für Kreativität trotz der Beschränkungen des Kalten Krieges.
Den Anstoß gab Eberhard Göschels Umzug in ein größeres Atelier, wodurch die kleine Wohnung frei wurde. Dieser Raum wurde zum neuen Domizil des Kollektivs, ausgestattet mit einer restaurierten italienischen Druckerpresse aus dem Jahr 1908. Bernhard Theilmann hatte die Maschine instand gesetzt, die im Besitz von Peter Herrmann war.
Die Gruppe war bereits seit 1976 im Rahmen des Arbeitskreises des Leonhardi-Museums aktiv. Sie verwandelten die Wohnung in eine Druckwerkstatt, Galerie und einen Verlag. Obwohl sie unter der Aufsicht der DDR standen, sicherten sie sich durch die Unterstützung lokaler Behörden und kulturelle Fördergelder eine begrenzte Autonomie.
Zur gleichen Zeit entwickelte der Künstler A.R. Penck seine Theorie Vom Untergrund zum Obergrund. Er hatte 1971 auch die Künstlervereinigung Lücke mitgegründet, die sich 1976 auflöste. Der Drucker Jochen Lorenz wiederum suchte nach kreativerer Arbeit als den üblichen Fahrplandruckaufträgen für die Bahn. Seine Fähigkeiten bereicherten später die experimentellen Projekte des Kollektivs.
Die Dresdner Obergraben-Presse fungierte als halb-offizielles Zentrum für Künstler in einem streng kontrollierten System. Sie ermöglichte Ausstellungen, Kooperationen und druckgrafische Arbeiten innerhalb der Grenzen der DDR-Kulturpolitik. Die Initiative wurde zu einem seltenen Beispiel künstlerischer Freiheit unter den Bedingungen des Kalten Krieges.