EMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen
Leon SchulzEMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen
European Media Art Festival in Osnabrück gerät wegen Filmvorführung in die Kritik
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück sieht sich mit scharfer Kritik konfrontiert, nachdem es beschlossen hat, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour, bekannt unter dem Pseudonym Al-Sharif, in sein Programm aufzunehmen. Lokale Politiker, darunter Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), distanzieren sich von der Veranstaltung – begründet mit angeblich antisemitischen Äußerungen der Künstlerin und ihrer Unterstützung für die BDS-Bewegung. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen dabei weniger ihre künstlerischen Werke als vielmehr ihre politischen Positionen.
Das EMAF wird Al-Sharifs Kurzfilm "Morning Circle" wie geplant zeigen. Während sich die Festivalleitung hinter die Auswahl stellt, haben sowohl die Stadt Osnabrück als auch Landesvertreter deutliche Vorbehalte geäußert. Die Kulturbeauftragte der Stadt betonte, man hätte die Arbeit lieber ausgeschlossen, um jeden Anschein der Förderung von Antisemitismus zu vermeiden.
Auslöser des Streits sind Al-Sharifs Aktivitäten in sozialen Medien, die von Kritikern als antisemitisch interpretiert werden. Ein von ihr geteiltes Halloween-Bild wird vom EMAF als mehrdeutig und interpretationsoffen beschrieben. Das Festival hat in der Vergangenheit sowohl palästinensische als auch israelische Künstler:innen präsentiert und verweist auf einen ausgewogenen Ansatz im kulturellen Dialog.
Thomas Groß, ein Vertreter des Festivals, argumentierte, dass das Unterdrücken palästinensischer Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung keinen Beitrag zur Friedensfindung im Nahen Osten leiste. Die Landesregierung hingegen betonte, zwar die Programmfreiheit des EMAF zu respektieren, lehne Antisemitismus in jeder Form jedoch entschieden ab. Trotz der Kritik bleibt die Förderung des Festivals durch die Stadt Osnabrück unverändert.
Die BDS-Bewegung, 2005 ins Leben gerufen, findet vor allem in progressiven und akademischen Kreisen Unterstützung, steht aber international in der Kritik. Einige Länder, darunter Österreich, haben ihre Symbole verboten und verweisen auf Verbindungen zu antiisraelischen Kampagnen.
Die Vorführung von Al-Sharifs Film wird wie geplant stattfinden – das EMAF hält an seiner Programmentscheidung fest. Stadt und Land haben jedoch klar gemacht, dass sie ihre politische Haltung ablehnen. Die Debatte zeigt einmal mehr die Spannung zwischen künstlerischer Freiheit und der Ablehnung von Antisemitismus in öffentlichen Kulturveranstaltungen auf.






