Erster CSD in Sangerhausen: Hitze, Hass und Hoffnung bei 38 Grad
Sangerhausen, eine 25.000-Einwohner-Stadt in Sachsen-Anhalt, veranstaltete 2025 seinen ersten Christopher Street Day (CSD) Mansfeld-Südharz. Die Demonstration fand bei sengenden 38°C vor der Marienkirche statt – begleitet von rechtsextremer Gegenwehr, aber auch breiter Unterstützung aus der Bevölkerung.
Unter den Teilnehmenden war Raven, eine nichtbinäre Person, die in Sangerhausen aufgewachsen ist und trotz ständiger Belästigungen und Drohungen durch Rechtsextreme bewusst in der Stadt bleibt. An ihrer Seite standen Ilay, Mila, Chris und Ravens Nichte – alle vereint im Einsatz für LGBTQ+-Rechte.
Auch Gerald Vetter, ein 66-jähriger Rentner aus dem nahen Eisleben, schloss sich dem Marsch an, um Solidarität mit seinem Sohn zu zeigen, der mit einem Mann verheiratet ist. Organisatorin Fiona Harms, eine trans Frau, kündigte an, für jede Stunde, die Rechtsextreme vor Ort blieben, 10 Euro zu spenden – begrenzt auf maximal 100 Euro.
Die rechtsextreme Partei Heimat protestierte gegen die Pride-Veranstaltung. In Sangerhausen wächst der Einfluss der extremen Rechten: Die LGBTQ+-feindliche AfD wurde 2024 stärkste Kraft bei den Kommunalwahlen. Die Region blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, darunter die Schließung des Kupferbergbaus 1990.
Doch Sangerhausen war 2025 kein Einzelfall: Rechtsextremisten störten bundesweit Pride-Events. In Bautzen griffen 700 Neonazis einen Demonstrationszug an, in Görlitz skandierten Gegner:innen hetzerische Parolen. Auch in Brandenburg wurde die Kundgebung Bad Freienwalde bleibt bunt attackiert.
Der CSD Mansfeld-Südharz zeigte beides: Widerstand und Widerstandsfähigkeit. Lokale Aktivist:innen und Verbündete hielten der rechtsextremen Opposition stand. Der Tag machte die anhaltenden Kämpfe – aber auch die Solidarität – der LGBTQ+-Community in der Region sichtbar.
