Pendlerzahlen in Sachsen-Anhalt sinken – warum immer weniger Menschen weit fahren
Leon SchulzAnzahl der Pendler in Sachsen-Anhalt leicht gesunken - Pendlerzahlen in Sachsen-Anhalt sinken – warum immer weniger Menschen weit fahren
Die Zahl der Pendler, die nach Sachsen-Anhalt ein- und ausreisen, ist leicht zurückgegangen. Aktuelle Zahlen vom Juni 2025 zeigen, dass weniger Menschen für ihre Arbeit über die Landesgrenzen hinweg pendeln. Experten führen den Rückgang auf eine verlangsamte Arbeitsmarktentwicklung und veränderte Arbeitsmuster in der Region zurück.
Etwa 148.000 Einwohner Sachsen-Anhalts arbeiten mittlerweile in anderen Bundesländern – das sind rund 600 weniger als im Vorjahr. Die meisten dieser ausgehenden Pendler sind in Sachsen, Niedersachsen oder Thüringen beschäftigt. Besonders häufig handelt es sich um Fachkräfte, die in der Industrie, im Einzelhandel, in der Fahrzeugreparatur, in der Logistik oder im Baugewerbe tätig sind.
Gleichzeitig kommen weniger Arbeitskräfte in das Land. Rund 75.700 Menschen aus anderen Bundesländern pendeln nach Sachsen-Anhalt ein, während 5.400 aus dem Ausland anreisen. Der größte Teil der einpendelnden Beschäftigten stammt aus Sachsen, gefolgt von Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg.
Auch langfristige Entwicklungen spielen eine Rolle. Seit 2010 kämpft Sachsen-Anhalt mit einer schrumpfenden und überalterten Bevölkerung, insbesondere in ländlichen Regionen wie dem Harz und der Altmark. Der Verlust von Industriearbeitsplätzen – vor allem in der chemischen und im Maschinenbau – hat das Pendeln zusätzlich verringert. Seit der Corona-Pandemie haben Homeoffice und Investitionen in lokale Digitalstandorte wie das DESY in Halle die langen Arbeitswege nach Berlin oder Niedersachsen um bis zu 25 Prozent reduziert.
Der Rückgang der Pendlerzahlen spiegelt tiefgreifende Veränderungen in der Arbeitswelt Sachsen-Anhalts wider. Immer weniger Menschen legen weite Strecken für ihren Job zurück – bedingt durch Remote-Arbeit und wirtschaftliche Verschiebungen in der Region. Behörden erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt, da die digitale Infrastruktur ausgebaut wird und sich die lokalen Arbeitsmöglichkeiten weiterentwickeln.