"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
Moritz Hoffmann"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
Das Kinderlied „Ringel, Ringel, Reihe“ wird oft mit der Großen Pest von London in Verbindung gebracht. Doch Historiker betonen, dass es dafür keine belastbaren Belege gibt. Die wahren Ursprünge des Liedes könnten woanders liegen – in schlichteren, verspielteren Anfängen.
Das Spiel dazu besteht darin, dass Kinder den Reim singen, sich im Kreis drehen und am Ende hinfallen. Manche Varianten beinhalten auch einen Kniks, eine Verbeugung oder andere Bewegungen. Wahrscheinlich entstand es im 18. Jahrhundert in Deutschland als Singspiel und verbreitete sich später in England.
Die früheste gedruckte englische Fassung des Reims erschien 1881. Im Laufe der Zeit entwickelten sich zahlreiche Textvarianten, was die Deutung zusätzlich erschwert. Die Theorie, das Lied beziehe sich auf die Pest, tauchte erst 1961 auf – lange nach seiner ersten dokumentierten Veröffentlichung.
Forscher vermuten stattdessen einen Zusammenhang mit religiösen Tanzverboten im 19. Jahrhundert. Kinder könnten den Reim schlicht deshalb gesungen und gespielt haben, weil er ihnen Freude bereitete – und nicht wegen einer verborgenen historischen Bedeutung.
Trotz der populären Annahme gibt es keinen Beweis, der „Ringel, Ringel, Reihe“ mit der Großen Pest verknüpft. Seine Herkunft bleibt unklar, doch wahrscheinlich handelte es sich ursprünglich um ein Kinderspiel. Die anhaltende Beliebtheit des Reims gründet auf seinem spielerischen Charakter – nicht auf einer düsteren historischen Verbindung.






