BPI warnt vor Arzneimittelknappheit durch Nahost-Krise und gestörte Handelsrouten
BPI warnt vor Arzneimittelknappheit durch Nahost-Krise und gestörte Handelsrouten
Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) warnt vor Arzneimittelengpässen in Europa nach militärischer Eskalation im Nahen Osten
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat angesichts der militärischen Zuspitzung im Nahen Osten Besorgnis über die Arzneimittelversorgung in Europa geäußert. Die steigenden Spannungen haben wichtige Schifffahrtsrouten unterbrochen, darunter die Straße von Hormus, wo der Verkehr aufgrund jüngster Konflikte verlangsamt oder ganz eingestellt wurde. Der BPI warnt, dass diese Störungen die Stabilität der Pharmaimporte – insbesondere aus Asien – gefährden.
Der Verband hat nun eine Zehn-Punkte-Strategie zur Stärkung der Lieferketten vorgelegt, um sicherzustellen, dass das deutsche Gesundheitssystem auch in Krisenzeiten funktionsfähig bleibt. Gleichzeitig fordert er eine größere europäische Unabhängigkeit in der Arzneimittelproduktion und bei der Krisenbewältigung.
Die Straße von Hormus, ein zentraler Engpass für den globalen Handel, ist seit Ende Februar 2026 massiv beeinträchtigt. Nach den US-israelischen Luftangriffen auf den Iran (Operation Epic Fury am 27. Februar) haben Warnungen der Iranischen Revolutionsgarde (IRGC) dazu geführt, dass Tanker ihre Passage unterbrechen, umkehren oder verlangsamen. Zwar gibt es keine vollständige Blockade, doch Reedereien stufen die Asien-Europa-Route als hochriskant ein – einige meiden sie komplett.
Die daraus resultierenden Verzögerungen von ein bis drei Wochen sowie explodierende Versicherungskosten haben die Frachtraten in die Höhe getrieben. Auch die Ölpreise sind gestiegen, was den globalen Handel zusätzlich belastet. Die europäische Pharmabranche, die stark von asiatischen Importen abhängt, sieht sich nun mit möglichen Lieferengpässen und höheren Kosten konfrontiert.
Als Reaktion darauf zielt der Zehn-Punkte-Plan des BPI darauf ab, die Resilienz der Arzneimittelversorgung zu stärken. Zu den zentralen Maßnahmen gehören die Abstimmung von Industrie- und Gesundheitspolitik, die Verbesserung der Produktionsbedingungen und die Steigerung der Innovationsfähigkeit. Der Verband betont zudem die Notwendigkeit einer europäischen Arzneimittelproduktion und einer besseren Krisenvorsorge.
Die Digitalisierung spielt in der Strategie eine Schlüsselrolle. Datengetriebene Forschung und Künstliche Intelligenz (KI) werden als unverzichtbare Werkzeuge im Kampf gegen Pandemien und Antibiotikaresistenzen hervorgehoben. Der BPI unterstützt zudem das Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG) und setzt sich für gestufte Krisenverfahren, öffentlich-private Partnerschaften und duale Nutzungsmöglichkeiten ein.
Über nationale Maßnahmen hinaus fordert der BPI, dass Deutschland eine führende Rolle in den Gesundheits-sicherheitsstrukturen der EU und der NATO übernimmt. Die Beteiligung an Initiativen wie der EU-Notfallbehörde für Gesundheitsbedrohungen (HERA) und gemeinsamen Lagerprogrammen wird als entscheidend für die langfristige Stabilität angesehen.
Mit seiner Strategie will der BPI die Abhängigkeit Europas von gefährdeten Handelsrouten verringern und gleichzeitig die heimische Produktion stärken. Die Umsetzung des GeSiG und eine engere Zusammenarbeit zwischen EU und NATO könnten helfen, künftige Versorgungsrisiken zu mindern. Aktuell bleiben Lieferverzögerungen und steigende Kosten jedoch eine unmittelbare Herausforderung für die Pharmaimporte.
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